Schafgarbenmeditationen
Den Drachen befragen
Das chinesische Buch der Wandlungen steht uns nicht nur als jahrtausende altes Weisheitsbuch auf der Grundlage der Philosophie des DAO zur Verfügung; Es kann uns auch bei großen und kleinen Fragen des Lebens ein Wegweiser sein. Eines von 64 Metaphern mit Hilfe eines Bambusstäbchens aus einer Box zu ziehen, zeigt uns die Weisheit des IGING für eine statische Situation. Es kann jedoch kein Wandel für eine künftige Entwicklung berücksichtigt werden. Aus diesem Grund wurde seit jeher das IGING mit Hilfe von Münzen, Würfeln oder traditionell durch das Teilen und Abzählen von Schafgarbenstengeln befragt. Diese bringen uns als Ergebnis nicht nur eines der 64 Bilder für die aktuelle Situation näher, sondern auch den möglichen Wandel in ein weiteres IGING Bild. An dieser Stelle möchte ich Dir drei unterschiedlich aufwendige Methoden zur Schafgarbenmeditation aufzeigen, die den Wandel der jeweiligen Situation mit berücksichtigen können. (uw)
Versuche in der Quantenphysik zeigen uns besonders am Beispiel des Doppelspaltexperimentes aus dem vorletzten Jahrhundert, dass es einen Unterschied macht, ob wir aus dem Meer der Möglichkeiten, die Ereignisse ohne Fokussierung auf uns wirken lassen oder ob wir durch geeignete Messverfahren respektive Maßnahmen zur Beobachtung unsere erlebte Welt verdinglichen wollen, um sie uns besser begreifbar zu machen. Im Falle des Doppelspaltexperimentes bei dem Licht auf eine Wand mit zwei Spalten geworfen wird, entsteht auf der dahinter liegenden Projektionsfläche normalerweise ein Interferenzmuster. Man nimmt an, dass sich das Licht wellenartig bewegt und sich hinter dem Doppelspalt aufeinander treffende Wellen, die jeweils einen Spalt auf der Rückseite verlassen sich zu Wellenbergen oder Wellentälern verstärken oder sich gegenseitig auslöschen, so dass das bei Wellen das typische Interferenzmuster am hinteren Projektionsschirm entsteht. Beginnt man nun jedoch diesen Vorgang zu beobachten, in dem man mit Hilfe technischer Geräte verfolgt, durch welchen Spalt das Licht sich durch den ersten Schirm bewegt, verschwindet das Interferenzmuster und es zeigen sich nur noch zwei Lichtbalken auf der gegenüberliegenden Projektionsfläche. Durch die Beobachtung wurde also aus einer undefinierbaren Lichtwelle ein Lichtteilchen, dessen Weg man durch einen der beiden Spalten verfolgt hatte. Doch wie kann uns diese Erkenntnis bei der Befragung des Buches der Wandlungen weiterhelfen? Grundsätzlich kommt es bei der Befragung des IGING, das man mit dem Meer der Möglichkeiten gleichsetzen könnte, dem zuvor erwähnten Beobachten einer uns unklaren Situation gleich. Schließlich wollen wir aus einer Ungewissheit heraus eine Gewissheit schaffen und Empfehlungen für eine günstige Route erhalten.
Wollen wir im Gleichklang mit der Natur handeln, sollten wir alle Handlungen unterlassen, welche dieser natürlichen Entwicklung entgegenstehen. Wären wir alle Meister des "Wu wei" und wären stets im Einklang mit der Natur und im Fluss des Lebens, so würden wir intuitiv aus unserer inneren Mitte folgerichtig handeln können. Doch so lange wir Gefahr laufen uns gegen die Natur zu stellen und das machen wir in der Regel laufend, weil wir es gewohnt sind, für etwas kämpfen zu müssen, um es zu erhalten, kann es hilfreich sein, das Jetzt richtig einschätzen zu können. Die Befragung des IGING kann uns helfen, die aktuelle Situation und auch die kommende Entwicklung besser zu verstehen, ohne sie in einen andere Richtung lenken zu wollen. Als Sozius eines Motorradfahrers ist Dir klar, dass Du Dich in einer engen Kurve mit der Neigung des Fahrers in die Kurve legen musst. Ein anderes Verhalten würde möglicherweise in einer Katastrophe enden. Du wirst als Sozius vermutlich wie der Fahrer, die vor Dir liegende und vorbeiziehende Landschaft und den Verkehr beobachten. Intuitiv wirst Du erkennen, wann Du Dich nach links oder nach rechts mit dem Fahrer und dem Motorrad bewegen musst. Bei der Befragung des IGING verhält es sich ähnlich. Achte auf die Hinweise und bewege Dich nicht entgegen der natürlichen Entwicklung, auf die Dich das IGING nach einer Fragestellung hinweist! Übung macht wie überall den Meister; Als Meister wirst Du für anspruchsvolle Fragen wohl die lange traditionelle Schafgarbenmethode wählen, bei der man Schafgarbenstängel in Vierergruppen abzählt und dabei 18 Teilungen vollzieht. Durch diese intensive halbstündige Meditation erhältst Du bei extrem wichtigen Fragen eine sehr detaillierte und Umfängliche Antwort für das Jetzt und die weitere Entwicklung. Diese Methode hatte ich bereits ausführlich beschrieben. Du findest diese im HAPKIDO magazin Ausgabe: 2020-02 #10 unter nachfolgendem Hyperlink:
Die traditionelle Methode
(18 Teilungen = 1/2 Std.)
Aufruf auch über die Magazinseite auf YIDO.eu oder im Flipbook auf Hapkido-magazin.de
In heutigen Artikel möchte ich Dir die weniger bekannte aber ebenso effektive "mittlere Methode" vorstellen, bei welcher die Schafgarbenstängel zu jeweils acht Stängeln abgezählt werden und nur sechs Teilungen erfordern. Der Aufwand dafür ist mit nur etwa zehn Minuten Meditationsphase deutlich kürzer und bietet auf jedes erhaltene Hexagramm dennoch die Option, auf jeder Linienposition eine Wandlungslinie zu erhalten. Somit sind bei dieser, wie auch bei der zuvor genannten traditionellen Schafgarbenmethode im Extremfall nicht nur eine, sondern bis zu sechs Wandellinien möglich, die eine künftige Perspektive sehr genau beleuchten können.
Die mittlere Methode
(6 Teilungen = ca. 10 Min.)
Für die Schafgarbenmeditation werden 50 oder 55 Stängel benötigt, wovon ein bis sechs Stängel als Symbol für die Einheit respektive eines Hexagramms oben abgelegt und nicht weiter verwendet werden. Für den weiteren Prozess werden 49 möglichst gleich lange Schafgarbenstängel (oder notfalls Bambusstäbchen) verwendet. Sorge für eine ungestörte angenehme Atmosphäre, vielleicht mit Räucherwerk, Kerze und einer Tasse Tee. Lasse Deinen Geist zu einer Welle im Meer der Einheit werden und schenke Deine bereits erarbeitete, aber eindeutige Frage dem Wind und wiederhole diese Frage erneut bei jeder der nachfolgenden sechs Teilungen.
1. Teilung (für 1. Linie):
Nehme die getrockneten 49 Schafgarbenstängel (ggf. Bambus) in die linke Hand (Symbolisch für Himmel).
----Prozedur Beginn----
Teile nun das Bündel willkürlich in der Mitte und lege die Stängel der rechten Hand seitlich rechts, symbolisch für die Erde, ab. Entnehme von dem abgelegten Bündel ein Stäbchen (symbolisch für den Menschen, und klemme dieses an der linken Hand zwischen Kleinen- und Ringfinger ein. Zähle nun die überbleibenden Stängel der linken Hand zu je acht Stäbchen ab und lege diese separat ab, bis null bis sieben Stäbchen übrig bleiben, die gemeinsam mit dem einen bereits gehaltenem Stäbchen eine Zahl zwischen eins und acht ergeben. Notiere diese Zahl in der Prozedurreihenfolge von unten nach oben und zeichne gemäß der Zahlenfolge, die sich ergebende Linie:
1 = (Himmel) Wandellinie YANG (Wert 9)
2 = (See) statische Linie YIN (Wert 8)
3 = (Feuer) statische Linie YIN (Wert 8)
4 = (Donner) statische Linie YANG (Wert 7)
5 = (Wind) statische Linie YIN (Wert 8)
6 = (Wasser) statische Linie YANG (Wert 7)
7 = (Berg) statische Linie YANG (Wert 7)
8 = (Erde) Wandellinie YIN (Wert 6)
----Prozedur Ende----

Wiederhole die Prozedur weitere fünf Mal bis Du nach gesamt sechs Teilungen ein vollständiges Hexagramm mit sechs unterbrochenen stabilen oder unterbrochenen Linien im Wandel von unten nach oben aufgebaut hast. Die Werte 7 oder 8 sind statische nicht wandelbare Linien, die Werte 6 und 9 sind Wandellinien. Die sich ergebenden Zahlenwerte aus der verbliebenen Anzahl Stängeln ergibt jeweils erst das untere dann das obere Trigramm (FuXi-Anordnung).
Zeichnen Sie nun die durch Ihre sechs Teilungen ermittelten ganzen oder gebrochenen stabilen oder Wandlungslinien (siehe Tabelle) auf.
Die schnelle Methode
(3 Teilungen = ca. 3 Min.)
1. Teilung (für 1. Trigramm):
Nehme die getrockneten 49 Schafgarbenstängel (ggf. Bambus) in die linke Hand (Symbolisch für Himmel)
----Prozedur Beginn----
siehe: mittlere Methode bis hier:
"Notiere diese Zahl in der Prozedurreihenfolge von unten nach oben und zeichne gemäß der Zahlenfolge, die sich ergebende..." ersetze "Linie" durch "das sich ergebende Trigramm (1 = Himmel, 2 = See......)
----Prozedur Ende----
Wiederhole die Prozedur ein weiteres Mal bis Du nacheinander zwei Trigramme mit gesamt sechs Linien (ein Hexagramm) abgebildet hast. Für die Ermittlung einer Wandellinie wird nach der 3. Teilung zu jeweils 6 Stängeln abgezählt (an Stelle von 4 aus der traditionellen oder 8 aus der mittleren Methode) Es bleiben 5 oder weniger Stängel in der linken Hand zurück sowie der Menschheitsstängel zwischen Ring und kleinem Finger. Die Gesamtzahl (1-6) bestimmt die Wandlungslinie (von unten nach oben beginnend).












































